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BUND-Kreisgruppe Köln

Blühende Vielfalt am Wegesrand am Beispiel des Wirtschaftsweges Meschenicher Straße

10. Mai 2020 | Landwirtschaft, Lebensräume, Naturschutz, Schmetterlinge, Tiere und Pflanzen, Umweltgifte

Auch wenn wir momentan wegen der aktuellen Corona Situation keine persönliche Führung vor Ort anbieten können, nimmt der BUND Köln Sie hiermit auf einen virtuellen Spaziergang entlang der Immendorfer Weg-und Feldränder mit und zeigen Ihnen, was dort momentan wächst und gedeiht.

Die blühende Vielfalt in der Meschenicher Strasse.  (Marlies Fontes)

Wir möchten Ihnen einen kleinen Ausschnitt einer blühenden Vielfalt am Wegesrand aufzeigen und Ihnen vermitteln, wie wir alle, mit etwas Engagement einen kleinen Beitrag zum Schutz unserer Natur leisten können.

Gerade Weg- und Feldsäume, die früher überall zu finden waren und heutzutage immer seltener werden, sind wertvolle aber immer noch unterschätzte Lebensräume für unsere Insekten, Tiere und Wildkräuter.
Gründe für den Rückgang oder die Beeinträchtigung der Weg- und Feldsäume gibt es viele. Entweder werden sie zu früh gemäht – also noch vor der Entwicklung der Blüten oder vor der Samenreife der betroffenen Pflanzen, oder aber vor Vollendung des Entwicklungszyklus ebenfalls selten gewordenen Insektenarten die dort leben, wie z. B. der Schmetterlinge oder der Heuschrecken. Für diese typischen Bewohner unserer Weg- und Feldsäume, wie Schmetterlingen, der Wildbienen, der Käfer und auch anderer Kleintiere stellen solche überpflegten Flächen leider keinen geeigneten Nahrungs-und Überlebensraum mehr dar.

Dieses Übermaß an Pflege geschieht häufig aus übertriebener Ordnungsliebe oder aus Angst vor der Ausbreitung von "Unkräutern", die allerdings auf den benachbarten Äckern in der Regel eh mit Pestiziden bekämpft werden. Dieses wird in der heutigen Zeit erst ermöglicht durch den Einsatz und das Vorhandensein eines entsprechenden Maschinenparks der auch eingesetzt werden will, obwohl die betroffenen Flächen in der Regel keinem besonderen wirtschaftlichen Druck unterliegen.

Da diese (Abstandsgrün-)Flächen in der Regel keinem wirtschaftlichen Druck unterliegen, bieten sie sich aber geradezu für eine Naturschutzmaßnahme nach der Leitlinie "mehr Artenvielfalt durch bunte Wegsäume und Randstreifen" an.

Wir möchten Ihnen einen kleinen Ausschnitt der blühenden Vielfalt am Wegesrand aufzeigen und Ihnen  vermitteln, wie wir alle, mit etwas Engagement einen kleinen Beitrag zum Schutz unserer Natur leisten können.

Was können wir tun?

Einhergehend mit den mittlerweile zahlreichen Pressemitteilungen, die auf einen rapiden Insektenrückgang und Artenschwund in unserer Landschaft hinweisen und die vor dieser weiteren negativen Entwicklung warnen, konnte auch die Naturschutzwartin Marlies Fontes in ihrem Bezirk im Kölner Süden beobachten, dass vielfach Weg-, Wiesen- und Ackerrandstreifen zumeist zu früh und zu häufig im Jahr gemäht werden, sodass kaum noch Wiesenkräuter zur Blüte gelangen. So entstand das kleine Projekt "Blühende Weg- und Feldränder", entlang des Wirtschaftsweges Meschenicher Straße in Köln Immendorf mit einer Größe von ca. 4000 qm.

In Absprache mit der Firma Lyondellbasell und in ihrem Auftrag, wurde erstmalig 2018 entlang des Firmengeländes eine naturschutzgerechte, extensive Pflege des Wegsaums durchgeführt. Dieser Wegsaum, der vormals intensiv und mehrfach im Jahr im Rahmen einer Mulchmahd gemäht wurde, wird seit 2018 in Absprache mit der Naturschutzwartin nur noch zweimal  im Jahr gemäht und das Mahdgut wird anschließend abgeräumt.

Angrenzend zu dem sich naturnah entwickelnden Wegsaum wurde Anfang 2019 auf einem weiteren Teilbereich des angrenzenden Ackers nach erfolgter Beratung der Naturschutzwartin ein mehrjähriger Blühstreifen von 800 qm angelegt. Hierzu wurde von der standort-heimische, regionale Saatgutmischung (Fa. Rieger und Hoffmann) mit geeigneten Wildkräutern verwendet.

Eine von der Stadt Köln durchgeführte Ausmessung des Banketts des Wirtschaftsweges, Meschenicher Straße, ergab, dass dieses Bankett der Länge nach auf einer Breite von ca. 3 Metern irregulär der Ackernutzung zugeschlagen war. Diese zweckentfremdete Fläche von 800 qm wurde abgesteckt und dem Blühstreifen hinzugefügt. Die Firma Lyondellbasell  übernahm hier freiwillig die Kosten der Einsaat und der naturschutzgerechten Pflege. Es entstand somit in Summe ein mehrjähriger Blühstreifen mit einer Fläche von 1600 qm.

Begrünter Erdwall einer temporären Baustrasse

Zur Abgrenzung einer im Rahmen der Rekultivierung entstandenen temporären Baustraße inmitten der Feldflur von Meschenich zu einem von Fahrradfahrern genutzten Feldweg wurde ein kleiner Schutzwall aufgeschüttet. Dieser Erdwall wurde in 2019 auf die Initiative von Marlies Fontes hin mit einer regionalen Wildkräutermischung eingesät. Die Mischung wurde von der Biologischen Station Bonn Rhein Erft bezogen und besteht ebenfalls aus in der Region erzeugten Wildkräutern.

Das Saatgut sponserte der Kiesgrubenbetreiber Fa. Horst. Der Erfolg dieser Naturschutzmaßnahme in einer ausgeräumten Agrarlandschaft ist offensichtlich, wie die Bilder dokumentieren. Es konnte mit Unterstützung des ortsansässigen Großunternehmen in der ausgeräumten Immendorfer Feldflur durch eine naturschutzgerechte Pflege und Einsaat von regionalen Wildkräutern ein naturnaher und insektenfreundlicher Weg- und Feldsaum entlang des städtischen Wirtschaftsweges mit einer Gesamtlänge von ca. 4000 qm etabliert werden.

Naturnahe Wegränder, wie diese stellen einen wichtigen Lebensraum für unsere bedrohten Insekten dar, sind Rückzugsraum und gleichzeitig Nahrungsquelle z. B. für Vögel und Kleintiere aller Art. Gleichzeitig werten sie aber auch das Landschaftsbild auf und bieten für den Bürger ein Naturerlebnis unmittelbar vor ihrer Haustüre. Naturnahe Weg- und Feldsäume haben aber auch die Funktion von Korridoren für viele Tier- und Pflanzenarten und sorgen so zu einem wichtigen Genaustausch der Populationen.

Es wäre wünschenswert, wenn sich viele naturschutzinteressierte Bürger unserer Stadt zusammenschließen würden und sich aktiv in ihrem direkten Wohnumfeld für mehr blühende Wegränder einsetzen. Dieser aktive Naturschutzbeitrag könnte auf diese Art und Weise einen wichtigen Beitrag für den Erhalt und die Förderung der Artenvielfalt in der Stadt Köln leisten.

Über Kommentare, eigene Tipps oder Ideen zu dieser virtuellen Führung freut sich der BUND Köln sehr – senden Sie uns diese bitte unter folgender Email-Adresse zu: bund.koeln@bund.net

Empfohlende Information zum Thema Weg-und Feldränder:

Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen

Broschüre "Blühende Vielfalt am Wegesrand" (PDF)

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