Was sind Flechten? Pflanzen? Ja und nein. Pilze? Ja und nein. Sie haben von beidem etwas. Flechten sind Lebensgemeinschaften. Sie vereinigen einen Pilz, der auf die Zufuhr organischer Substanzen angewiesen ist, und einen Partner (in der Regel Algen), der Photosynthese betreibt. Diese Lebensgemeinschaft hat sich weltweit in ca. 25.000 Arten etabliert. Über 2.000 kommen in Zentraleuropa vor. Auch in Städten wie Köln wachsen viele Arten, zum Beispiel auf Baumrinden, Grabsteinen, Betonkübeln oder direkt auf der Erde. Der AK Flechten des BUND Köln konnte allein in dem kleinen Kölner Naturschutzgebiet Dellbrücker Heide 90 Arten bestimmen.      

Das Interesse an Flechten ist in den letzten Jahrzehnten erheblich gestiegen. Wegen ihrer hohen Sensitivität gegenüber Luftschadstoffen und Klimaveränderungen setzt die Wissenschaft Flechten als Bioindikatoren ein. Die Breitlappige Schüsselflechte, Parmotrema Perlatum, bevorzugt milde Lagen und gilt zum Beispiel als Indikator des Klimawandels. Sie kommt in Köln seit einigen Jahren immer häufiger vor. Die Wand-Gelbflechte, Xanthoria parietina (großes Foto) zeigt wiederum eutrophierende Immissionen (u.a.Stickstoff) an. Sie tritt in unseren Städten und in landwirtschaftlich stark genutzten Gebieten massenhaft auf. Andere Arten markieren magere, ökologisch hochwertige Böden, wie zum Beispiel die Falsche Rentierflechte (Cladonia rangiformis) oder die Bereifte Schildflechte (Peltigera rufescens). Beide Arten gedeihen auch in Kölner Naturschutzgebieten.

Im Gegensatz zu Pilzen oder Blütenpflanzen sind Flechten zu allen Jahreszeiten präsent. Deshalb bieten diese Organismen mit ihren attraktiven Formen und Farben ein reizvolles Aufgabenfeld für alle Menschen, die sich für Botanik und Naturschutz interessieren.

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