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BUND-Kreisgruppe Köln

Grundwasserbelastung mit Rohbenzin

01. April 2016 | Flüsse & Gewässer, Lebensräume, Naturschutz, Technischer Umweltschutz, Umweltgifte

... in Godorf durch Basell Polyolefine GmbH

Der BUND fordert dringend die Untersuchung gesundheitlicher Auswirkungen, weitergehende Messungen und den Schutz der betroffenen Bevölkerung.

Der Gewässerschutzbeauftragte des NRW-Landesverbandes des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND NRW), Paul Kröfges, äußerte heute größte Besorgnis hinsichtlich der Auswirkungen der durch die Fa. Basell Polyolefine verursachten Grundwasserbelastung mit hochgiftigen Rohbenzin, sogenanntem Naphta, südlich von Köln- Godorf. Wie die Stadt Köln in einem Schreiben an die Anwohner Mitte März mitteilte, kann mittlerweile nicht ausgeschlossen werden, dass der belastete Grundwasserstrom entgegen früheren Annahmen doch unter bewohnte Bereiche im südlichen Godorf (Hauptstraße, Meschenicher Str.) vordringen kann oder bereits dort angekommen ist.

Nicht nur nach Einschätzung des BUND droht hier eine ernsthafte gesundheitliche Gefährdung für die betroffenen Menschen, die nicht hingenommen werden kann. Kröfges: "Benzol und andere flüchtige Bestandteile, sämtlich hochgiftig und krebsfördernd, des größtenteils auf dem Grundwasser aufschwimmenden Rohbenzins (Naphta) gasen ständig aus, steigen durch Poren im Boden nach oben, durchdringen Bodenplatten und gelangen so in die Wohnhäuser". Sollte dies nicht durch die angelaufenen Sanierungsmaßnahmen (Bodenluftabsaugung, Abpumpen und Reinigen des Wassers) nachweislich verhindert werden können, muss sogar erwogen werden, so der BUND Experte, die Anwohner vorübergehend auszuquartieren, d.h. in Hotels unterzubringen. Der BUND fordert neben weiteren Sanierungsanstrengungen, bei der u.U. auch mit Bodenaustausch gearbeitet werden muss, intensive Messungen der Benzol und Kohlenwasserstoffbelastung, sowohl im Grundwasser, als auch in allen Kellern betroffener Häuser und in der Ortslage selbst und die unmittelbare Veröffentlichung der Messwerte zur Information der Bevölkerung. Auch wird vor diesem Hintergrund die Forderung erneuert, in diesem stark von der Ballung der Chemieanlagen betroffenem Bereich eine ständige multifunktionale Luftmessstelle einzurichten. Darüber hinaus fordert der BUND, dass der betroffenen  Bevölkerung dauerhaft eine gesundheitliche Untersuchung auf mögliche Folgen dieser Belastung ermöglicht wird.   

Aktuell hat der BUND bei der Staatsanwaltschaft Köln nach dem Stand der Bearbeitung seiner Strafanzeige vom 1.September 2015 gegen die Fa. Basell, die Bezirksregierung Köln, den TÜV und die HGK nachgefragt. Wie berichtet, sieht der BUND diese Institutionen auch strafrechtlich für diesen erheblichen und Menschen gefährdenden Umweltschaden in der Verantwortung, da mehrere früher Altschäden (2005 und 2008) an dieser Rohrleitungstrasse nicht -  wie vom BUND 2009 bereits per Strafanzeige moniert - zum Anlass genommen wurden, hier dauerhaft ausreichend empfindliche Leckageprüfsysteme, intensive Überprüfungen und Untersuchungen zu etablieren. Und auch  aktuell fordert der BUND, die gesamte Leitungstrasse bis in den Hafen hinein entsprechend zu überprüfen.
Die Versäumnisse erinnern an den Fall der Kerosinleitung der Fa. Shell in Wesseling und haben der Region eine weitere erhebliche Grundwasserbelastung eingebracht.  Da diese mittlerweile in ganz Köln beachtliche Ausmaße erreicht haben – erinnert sei an die Belastung mit perfluorierten Verbindungen (PFC) in weiten Bereichen – fordert der BUND für ganz Köln eine differenzierte Karte mit sämtlichen Schadstofffahnen um diese Belastungen transparent zu machen.
Kröfges verweist hierzu auf das Beispiel Düsseldorf, - siehe Karte unten - wo dies geradezu vorbildlich geleistet wurde und sämtliche Schadeinwirkungen auf das Grundwasser übersichtlich dargestellt sind.
"Nach unserer Kenntnis fehlt eine solche Übersicht in Köln, wir fordern dies dringend ein, um einen Überblick über vorhandene Belastungen zu erhalten", so der Wasserexperte abschließend.
 
Pressekontakt:
Paul Kröfges, Gewässerschutzbeauftragter BUND NRW, Tel 02292 681642, mobil 0173 2794489, paul.kroefges@bund.net 

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