Naturschutzerfolge in der Sürther Aue

17. Juli 2025 | Sürther Aue - Godorfer Hafen

Wieder eingewandertes Veränderliches Widderchen auf Oregano Wieder eingewandertes Veränderliches Widderchen auf Oregano (Klaus Hanisch)  (Klaus Hanisch)

Auch in 2025 konnten in der Sürther Aue wieder seltene Arten erstmalig entdeckt werden. Nach zweieinhalb Jahren zeigt das Projekt von BUND und Stadt Köln, dass auch in Zeiten der massiven Biodiversitätskrise natürliche Vielfalt wieder hergestellt und sogar ein Positivtrend erzielt werden kann. Entscheidend hierfür ist, dass wir weiterhin Gebiete vor der Versiegelung retten, fachliches Know-how anwenden und das Ehrenamt einbeziehen.

 

Wir erinnern uns: Am 26. September 2019 nahm der Stadtrat seinen Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplans und einer entsprechenden Änderung des Flächennutzungsplans zurück. Im Bündnis mit vielen anderen Vereinen und Initiativen war der BUND nach fast 40 Jahren erfolgreich gewesen und hatte das Naturschutzgebiet „Am Godorfer Hafen“, vor Ort nur als „Sürther Aue“ bekannt, vor dem Hafenausbau gerettet. Die Stadt kaufte die Ausbaufläche in 2021 von der Hafen und Güterverkehr Köln zurück und wies sie wieder als Naturschutzgebiet aus. Doch nach vielen Jahren des fehlenden Naturschutzes waren die ehemals unbewaldeten Lebensräume zugewachsen und die biologische Vielfalt weitgehend verdrängt worden. Daher erstellte der BUND für den Westteil ein Entwicklungskonzept, unterzeichnete einen Betreuungsvertrag mit der Eigentümerin, übernahm die ökologische Begleitung bei der durch städtische Ersatzgelder finanzierten Wiederherstellung im Winter 2022/23 und setzte nachfolgend das Naturschutzmanagement um.

 

Gemeinsam mit neuen Ehrenamtlichen aus den Anlieger-Stadtteilen und mit Unterstützung der engagierten Mitarbeiter*innen des Grünflächen- und des Umweltamts der Stadt Köln konnte der negative Biodiversitätstrend in der Rekordzeit von zweieinhalb Jahren umgekehrt werden:

  • Die Zahl der Pflanzenarten stieg von 62 auf 320 an,
  • Die Zahl der gefährdeten Pflanzenarten wuchs von 0 auf 27, darunter 2 in der Großlandschaft zuvor verschollene Arten,
  • Die Zahl der Heuschreckenarten verfünffachte sich,
  • Die Zahl der Brutvogelreviere gefährdeter Arten stieg von 28 auf 48.

 

Auch nach der ersten Hälfte der diesjährigen Vegetationsperiode ist festzuhalten, dass die Zahl gefährdeter Pflanzenarten im vom BUND betreuten Westteil des Naturschutzgebiets weiter gewachsen ist. Zu den Neufunden aus 2025 zählen z.B. das Zittergras, die Wiesen-Margerite und die Taubenskabiose.

Diese wurden nicht etwa angesiedelt! Entweder sind alte Keimbetten reaktiviert worden, oder die Diasporen sind über verschiedene Ausbreitungswege in das Gebiet gelangt und hier im wahrsten Wortsinn auf fruchtbaren Boden gefallen. In beiden Fällen ist ein Bündel geeigneter Maßnahmen die wesentliche Voraussetzung. Hierzu zählen die Beweidung, aber vor allem auch manuelle oder motormanuelle Maßnahmen der Mahd, Entkusselung und Rohbodenherstellung. Auf diese Weise werden natürliche, aber ausgestorbene dynamische Einflüsse nachgestellt und Chancen für die natürliche Vielfalt eröffnet, die leider heute oft nicht mehr von selbst entstehen können.

 

Eine solche erfolgserprobte Strategie ist in Zeiten, in welchen der gartenarchitektonische Ansatz der Anlage und Anpflanzung den Weg zu Erfolgen leider noch zu häufig versperrt, eine wesentliche Voraussetzung. Mindestens genauso wichtig ist der ehrenamtliche Einsatz. Denn die richtigen Entscheidungen und Maßnahmen werden wirksam, wenn sie kontinuierlich umgesetzt werden können. Und für diese Kontinuität stehen die vielen Ehrenamtlichen im BUND.   

 

Das lässt sich auch am Beispiel der Schmetterlinge messen.

Das in NRW vom Aussterben bedrohte Veränderliche Widderchen konnte erstmals nach einigen Jahren wieder im Gebiet aufgefunden werden. Die Art benötigt als Raupen-Futterpflanze die Bunte Beilwicke, von welcher im BUND-Betreuungsgebiet inzwischen wieder Massenbestände vorkommen.

Beim Zweibrütigen Würfel-Dickkopffalter gelang in diesem Sommer der Erstnachweis für das Gebiet. Dieser kleine Tagfalter ist nach seiner Fähigkeit benannt worden, mehrere Generationen im Jahr bilden zu können. Er ist auf spärlich bewachsene Trockenrasen mit frei auf dem Boden liegenden Fingerkräutern angewiesen. Das Kriechende Fingerkraut und das Frühlings-Fingerkraut kommen im BUND-Gebiet wieder in hohen Anteilen in solchen Strukturen vor.

 

Das Beispiel Sürther Aue zeigt: auch in Zeiten der massiven Biodiversitätskrise können beeindruckende Erfolge erzielt und damit Blaupausen für den eigentlich flächendeckend notwendigen Umgang mit unseren Schutzgebieten geschaffen werden. Angesichts der vielen Pläne zur Neuversiegelung von Schutzgebieten ist nur die entscheidende Voraussetzung, dass wir weitere Gebiete vor dem Verbrauch retten und sie in geeigneter Weise behandeln.

 

 

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