Eine Europäische Wildkatze markiert einen Baldrian-Lockstock und wird durch Wilkammeras des BUND NRW aufgenommen. (Stefan Eschweiler)
Darauf deuten die Nachweise von 25 Individuen im Rahmen des Projekts „Wildkatzenwälder von morgen“ durch den BUND NRW hin. Demnach könnte die nach Bundesnaturschutzgesetz streng geschützte Art im Siebengebirge bereits eine stabile Population gebildet haben.
Da die Wildkatze vergleichsweise hohe Ansprüche an ihren Lebensraum stellt, könnten diese Ergebnisse sowohl als Hinweis auf die hohe Habitatqualität des Siebengebirges gewertet werden als auch darauf, dass die im Projekt durchgeführten Pflegemaßnahmen bereits Wirkung zeigen. Neben ungestörten Rückzugsorten bevorzugen die scheuen Jäger vor allem strukturreiche Waldrandbereiche, in denen Wiesen, Gebüsche und frühe Vorwaldstadien allmählich – und idealerweise großflächig – in einen von hohen Bäumen dominierten Wald übergehen. Solche gestuften Übergänge sind in Deutschland selten. Stattdessen finden sich häufig abrupte „Waldwände“ zwischen menschlich geprägten Forsten und intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen.
Deshalb werden durch den BUND im Rahmen von „Wildkatzenwälder von morgen“ wildkatzengerechte Waldrandbiotope bundesweit entwickelt und gepflegt – so auch im Siebengebirge, in enger Zusammenarbeit mit lokalen Förster*innen. Neben der Wildkatze profitieren dabei auch zahlreiche andere, teils bedrohte Arten wie Zauneidechse und Haselmaus von solchen Waldrandstrukturen. Die gestufte Vegetation kann zudem die Geschwindigkeit und das Schadenspotenzial von Sturmereignissen an Wäldern entscheidend vermindern, welche im Zuge des fortschreitenden Klimawandels künftig nicht nur häufiger, sondern teils auch heftiger auftreten könnten.
Trotz der positiven Entwicklung bleibt jedoch noch viel zu tun. Die vor rund 100 Jahren nahezu ausgerottete Europäische Wildkatze erschließt sich zwar seit einigen Jahrzehnten sukzessive ihr angestammtes Verbreitungsgebiet in Deutschland zurück – doch sie ist weiterhin zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Ein großes Problem ist die zunehmende Fragmentierung, also die „Verinselung“ einzelner Populationen in einer für sie lebensfeindlichen Kulturlandschaft. Viele der verbliebenen Waldgebiete liegen isoliert und sind von Äckern, Siedlungs- und Industrieflächen sowie Straßen umgeben. All diese Strukturen erschweren Wanderbewegungen zwischen geeigneten Lebensräumen – oft mit tödlichen Folgen. So wird geschätzt, dass jährlich etwa ein Zehntel aller in Deutschland lebenden Wildkatzen im Straßenverkehr ums Leben kommt. Zunehmend isolierte Vorkommen können zu genetischer Verarmung oder sogar zum lokalen Aussterben betroffener Populationen führen. In seltenen Fällen, insbesondere in stark isolierten Gebieten mit wenigen Paarungspartner*innen, kann es außerdem zu Paarungen zwischen Europäischer Wildkatze und Hauskatze kommen.
Zwar ähneln sich die Tiere äußerlich, doch vor allem die Schwanzform unterscheidet beide Arten deutlich: Der buschige, stumpf endende Schwanz der Wildkatze macht mehr als die Hälfte der Körperlänge aus, während der Schwanz der Hauskatze kürzer ausfällt und spitzer zuläuft. Diese Unterschiede spiegeln dabei die evolutionäre Vergangenheit der beiden Arten wider, die von höherer Distanz geprägt ist als oftmals angenommen: Die Hauskatze ist kein Nachfahre der europäischen Wildkatze, sondern stammt von der nubischen Falbkatze ab, die in Nordafrika beheimatet ist! Auch im Verhalten bestehen zwischen Haus- und Wildkatze erhebliche Unterschiede. Wildkatzen sind äußerst scheue Einzelgänger*innen, die im Gegensatz zur Hauskatze konsequent menschliche Nähe meiden. Während Hauskatzen teils aus Spiel- und Jagdtrieb unterschiedlichste Beutetiere fangen – oft mit negativen Auswirkungen auf bodenbrütende Vogelarten – dient die Jagd der Europäischen Wildkatze rein und konzentriert sich fast ausschließlich auf Mäuse.
Damit das Comeback der europäischen Wildkatze auf lange Sicht erfolgreich ausfallen kann fordert der BUND NRW die ökologische Aufwertung von Wäldern, die Förderung und den Ausbau entsprechender Wanderkorridore und die Entschärfung des Konfliktpotenzials besonders unfallreicher Straßen. Dabei kann jede*r etwas dazu beitragen: durch Spenden, den Kauf eines Wildkatzen-Rucksacks, durch die Teilnahme an Biotopflegemaßnahmen oder sogar in Form einer Ausbildung als Wildkatzenbotschafter*in.
Weiterführende Informationen zum Wildkatzenschutz des BUND NRW finden sich hier: