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Die UN Klimakonferenz

02. November 2021 | Nachhaltige Zukunft, BUNDJugend

Ob die UN Klimakonferenz in Glasgow nun, wie so oft gesagt, die letzte Chance für die Rettung des Klimas ist oder nicht. Fest steht: Auch, wenn keine entsprechenden revolutionären Ergebnisse erzielt werden; ein Umdenken in der Klimapolitik muss stattfinden.

Schmelzende Pole - Ein Thema von vielen  (Pixabay)

Glasgow. Ist das nicht in Schottland? Regnet es da nicht immer?
Ja…tatsächlich.
Mit einem Jahr Verspätung findet die diesjährige Klimakonferenz „COP 26“ in einem Land statt, das auf den ersten Blick so rein gar nichts mit Hitzewellen oder Dürren zu tun hat. Dass das natürlich Unsinn ist, sieht wohl der Großteil Weltbevölkerung ein, ausgenommen den ein oder anderen notorischen Klimawandelleugner.

Und doch hätte man den Austragungsort der Konferenz nicht besser wählen können
(zumindest wettertechnisch). Denn vermerkt oder nicht; das Phänomen des Anerkennens der Klimakrise als ernsthafte Krise, die nicht nur die Existenzgrundlagen der Menschen bedroht, sondern merklich auch das, was bisher gezählt hat - die Weltwirtschaft - einerseits und das kollektive politische Nichtstun andererseits, wird vom kühlen Regen der britischen Insel aufgezeigt.
Zwar meint jeder man müsse mehr tun und man gibt sich als würde man über dem einfältigen Denkmuster, die Klimakrise sei doch gar nicht so groß (siehe Schottlands kaltes Wetter), stehen. Wenn es dann aber um die „einfache“ Umsetzung des Wissens in politisches Handeln geht, spannen die Delegierten lieber ihre Schirme auf: bloß nicht nass werden!
 

Es geht um nichts Geringeres als die Erde! Naja. Was man von der UN-Klimakonferenz erwarten kann sind keine Weitsprünge in Sachen Klimaschutz. Das ist genauso logisch wie frappierend. Wenn so viele Staaten zusammenkommen um über das wohl polarisierende Thema zu reden, dass die politische und gesellschaftliche Landschaft momentan zu bieten hat, dann kann man nicht erwarten, dass sich alle mit der flachen Hand auf die Stirn hauen und erkennen, dass es keine Alternativen zu radikalem oder will man es konsequent nennen (?) Klimaschutz gibt. Das haben uns auch die zahlreichen Konferenzen der letzten Jahre gelehrt. Man könnte fast meinen in den 80er Jahren war man mit dem Klimaschutz weiter als heute. Das Problem war erkannt, und es gab bereits die ersten Abgesänge auf den Kampf gegen die Erderwärmung. Einziger Unterschied: Man hatte die Zeit, Maßnahmen zu entwickeln. Die Industrie hat das erfolgreich verhindert. Denn es sind nicht die Bürgerinnen und Bürger, die zu viel Klimaschutz monieren, es sind die großen Konzerne und Lobbygruppen, denen ein ernsthafter Klimaschutz die Gewinne schmelzen lassen würde.

Und doch sehen sich, einer Umfrage im Auftrag der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2019 zu Folge, gerade einmal 36 % der Europäerinnen und Europäer selber in der Pflicht, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten – 93 % sehen aber den Klimawandel als ein ernstzunehmendes Problem an. Offensichtlich passt das nicht ganz zusammen. Oder eben auch doch. Denn der Konsumverzicht, der unabdingbar zu einem wirksamen Klimakrisenausmaßbegrenzungsprogramm gehören muss, ist den Menschen dann doch zu viel an Zumutung. Dass die nationalen Parlamente, die auf Platz eins für Klimaschutz stehen, wenn es nach den Europäern geht, diesen in Zukunft wohl nicht mehr ausklammern werden können, scheint nicht verstanden worden zu sein. Außer man wünscht sich eine restriktive Klimapolitik der Nationalstaaten, was wohl kaum der Fall sein wird.

Was aber wird man nun erwarten können? Ein Bekenntnis zum 1,5 Grad Ziel wurde schon ausgesprochen. Das mag erst einmal beruhigend wirken (jetzt muss man sich auch dran halten), tatsächlich ist damit aber noch niemandem geholfen, weder den Menschen in Ländern Afrikas oder sonst wo, wo man die Auswirkungen der Klimakrise am stärksten spürt, noch allen anderen oder dem Ökosystem.

Die Menschen wollen also Klimaschutz, aber nicht zu viel und nicht auf Kosten des eigenen Lebensstandards. Unter diesem Druck müssen die teilnehmenden Staaten nun konkrete Maßnahmen entwickeln die mit dem eigenen Anspruch vereinbar sind. Ob man besonders revolutionäre Ergebnisse erzielen wird ist mehr als fraglich, auch wenn diese absolut gebraucht würden.

Bis auf wenige Ausnahmen hat kein Land der Welt, die Industriestaaten ohnehin nicht, einen Klimaschutzplan, der mit dem 1,5 Grad Ziel vereinbar ist. Dass das die meisten kaum interessiert und mehr oder weniger kalt lässt, ist ein Armutszeugnis und zeigt einmal mehr, wie fadenscheinig der Großteil der Bevölkerung die Eindämmung der Klimakrise als zentrale Aufgabe ansieht. Daher wird der Klimagipfel wohl einmal mehr laut und schillernd vorbeiziehen, Klimaschützer (und alle die sich dazuzählen) die unzureichenden Ergebnisse bemängeln lassen, die Medien auf objektiver Ebene ebenso, und wohl die meisten ebenso wenig interessieren wie diese bereit sind sich selber im Konsumverzicht zu üben. Blöd nur, dass selbst die Nationalstaaten stand jetzt nicht in der Lage sind, das Klima zu retten.

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Bruno Kanter

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