„Ich bins, euer Gartenigel, und mein Hunger ist groß. Sobald die Sonne sinkt, sollte meine Zeit beginnen. Meine Welt besteht aus dem Rascheln im Laub, dem Duft von feuchter Erde und der Jagd nach Käfern und Regenwürmern.
Doch in eurem Garten ist die Nacht verschwunden.
Da ist dieser eine Strahler an der Hauswand. Ihr fühlt euch sicher, aber für mich ist er eine unüberwindbare Mauer aus gleißendem Weiß. Wenn ich in diesen Lichtkegel gerate, bin ich blind. Meine Augen sind für die Dunkelheit gemacht; das grelle Licht brennt wie Feuer. Ich bleibe starr stehen, mein Herz rast. Ich fühle mich schutzlos, denn in diesem Licht sieht mich jeder Feind schon aus der Ferne.
Also mache ich kehrt. Ich meide die hellen Flächen, auf denen die leckerste Beute wartet. Ich klettere über mühsame Umwege, zwänge mich durch enge Lücken und verbrauche wertvolle Energie, die ich eigentlich zum Überwintern sparen muss. Überall sind diese kleinen ‚Licht-Inseln‘ – Solarspieße im Beet, bunte Kugeln im Gebüsch. Für euch ist es Dekoration, für mich ist es ein Hindernislauf durch ein Minenfeld aus Licht.
Oft finde ich am Ende der Nacht nicht genug. Die Käfer sind weg, angelockt und verbrannt an euren Lampen, oder ich habe schlicht die Zeit mit Umwegen vertan. Wenn der Morgen graut, kehre ich hungrig in meinen Unterschlupf zurück.
Bitte, schenkt mir meine Nacht zurück. Ein Bewegungsmelder, der nur kurz angeht, wenn ihr wirklich Licht braucht, würde mir das Leben retten.
Ich möchte doch nur satt werden, bevor die Sonne wieder aufgeht.“