BUND-Kreisgruppe Köln

Bats and Kids auf den Gleueler Wiesen

15. August 2020 | Fledermäuse, Gebäudebrüter, Gleueler Wiese, Lebensräume, Tiere und Pflanzen, Umweltbildung

Den Fledermäusen auf der Spur!

Jonas Schaffrath erklärt den Kindern alles rund um die Fledermaus.  (Andrea Eßfeld)

Pünktlich um 19 Uhr startete die Bats & Kids Fledermaus-Nacht im Sitzkreis, mit genügend Abstand zueinander, vor dem Bauwagen des Waldkindergartens im Grüngürtel nahe der Gleueler Wiese.

Jonas Schaffrath vom BUND Köln hatte ein fachkundiges Publikum. Die Kinder waren echte Fledermaus-Expert*Innen.

Zunächst gab es einige Grundinformationen. Es gibt 1200 Fledermausarten weltweit und davon sind nur drei Arten Blutsauger, die es aber hier in Köln nicht gibt.

Also keine Angst vor Vampiren!

Fledermäuse bewohnen alte Spechthöhlen, Spalten hinter Baumrinden, alte Fachwerkhäuser, Kirchtürme oder Felsenhöhlen. Wie viele Fledermäuse wohl in eine solche Höhle passen? Hier sollte großzügig geschätzt werden. Die Antwort hatte keiner erwartet: 3 Millionen rastende Fledermäuse gibt es in der Höhle „Deer Cave“ im Nationalpark Gunung Mulu auf der Insel Borneo in Südostasien. Das muss ein beeindruckendes Schauspiel sein, wenn diese Fledermäuse abends aus der Höhle auf Beutefang ausfliegen.

Fledermäuse ernähren sich von nachtaktiven Fluginsekten, die sie per Ultraschall-Echoortung erbeuten. Tagsüber schlafen sie, erst ab der Dämmerung und nachts gehen sie vom Frühjahr bis zum Herbst auf Beutejagd. Hierzu stoßen sie Ortungsrufe aus, die mit dem Bat-Detektor, einem Gerät, das die Ultraschalllaute der Fledermäuse in wahrnehmbare Geräusche für das menschliche Ohr umwandelt, die dann als knatternde Geräusche zu hören sind.

Jedes Kind bekam solch einen Bat-Detektor um so auf der Gleueler Wiese und im Grüngürtel auf Fledermaus-Pirsch zu gehen. Wenn die Fledermaus ein Beutetier geortet hat „keschert“ sie es mit der Schwanzflughaut und packt es dann mit den Zähnen, um es direkt im Flug oder am Ruheplatz zu fressen. Sollte ein Insekt mal entwischen, so wird es mit den Fingerflughäuten gegriffen und zum Maul befördert. Einige Fledermäuse jagen auch direkt auf dem Boden Käfer, Spinnen und andere Insekten oder über der Wasseroberfläche. Hierzu greifen sie die Beute mit ihren Füßen.

Eine Zwergfledermaus futtert bis zu 600 Mücken in einer Nacht. Der Große Abendsegler, den wir auch auf Beutejagd über der Gleueler Wiese entdeckten, verdrückt pro Abend Eindrittel seines Körpergewichts an Insekten.

Die Frage an die Kinder: Wie viele Fritten müsstet ihre wohl essen, wenn ihr ein Gewicht von 30 kg habt? So genau wusste das niemand. Die Antwort war, ihr müsstet einen ganzen 10 L Putzeimer gefüllt mit Fritten essen. Da würde einem sicher schlecht.

Fledermaus Mütter bilden zwischen April und August Kolonien, um ihre Jungen zur Welt zu bringen. Pro Jahr bekommen sie nur ein Junges, das drei Monate bei der Mutter bleibt.

Von Anfang November bis Ende März halten die Fledermäuse ihren Winterschlaf. Hierzu reduzieren sie ihre Körpertemperatur von 40 Grad Celsius auf 0-10 Grad Celsius und ihr Herz schlägt nur noch 5 bis 10-mal pro Minute und nicht mehr 600-mal.

Fledermäuse sind durch vielfältige Faktoren gefährdet wie Quartiers-Verlust, Nahrungsmangel, Insektizide, Lichtverschmutzung und Verlust landschaftlicher Vielfalt.

Aus diesem Grund ist es so wichtig, Lebensräume wie die große Gleueler Waldwiese vor Bebauung zu bewahren.

Bodenschutz ist gleichzeitig Klima- und Insektenschutz!

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