BUND-Kreisgruppe Köln

BUND-Appell für die kleinen Fleckchen unter Stadtbäumen

09. April 2020 | BUNDte Insel Stadtnatur, Köln kartiert, Lebensräume, Naturschutz, Stadtökologie, Tiere und Pflanzen

Die Kölner Baumscheiben

Eine Baumscheibe die natürlich bewachsen ist.  (Dominik Breker)

Es ist mehr ein Inselchen für Stadtnatur, statt einer Insel: Eine Baumscheibe - das Fleckchen unversiegelter Boden unter Stadtbäumen.

Bei einem Teil der Kölner Bürger*innen ist es in Mode gekommen, diesen Flächen Beachtung zu schenken, was angesichts der Tristesse der ewig grauen Straßen, Häuser sowie teilweise der Vorgärten, nicht verwunderlich ist.

Diese Baumscheiben werden leider mit bunten Blumen aus dem Gartencenter bepflanzt, eine Rand drumherum gebaut und Blumenerde angeschüttet, damit die neuen Pflanzen gut wachsen. Dabei werden auch immer wieder, im Glauben Gutes zu tun, Samen ausgesät.

Bei einem anderen Teil der Kölner Bürger*innen ist die Wertigkeit dieser Fläche, als kleine ökologische Nische, nicht im Bewusstsein: Fahrräder werden auf der Baumscheibe geparkt und sogar Autos sind keine Seltenheit auf diesen Flächen. Die überwiegenden Hundebesitzer schaffen die Hinterlassenschaften ihrer Lieben in Hundekotbeutel in den Mülleimer. Einige sehen kein Problem darin, dass der Hundekot für die Menschen, die diese Flächen pflegen, eine Zumutung ist und selbst die schönsten Pflanzen unter einem Hundehaufen nicht ansehnlich sind. Abgesehen davon, sorgen Kot und Urin dafür, dass einige Pflanzen gar nicht erst wachsen.

Der BUND Köln schaut sich diese Baumscheiben mit ganz anderer Sicht an.

Wir erhoffen bei jeder Baumscheibe, die noch natürlich bewachsen ist, spannende Pflanzen zu finden. Wenn auch rar, da es wenige unbenutzte Flächen gibt, finden wir sogar Pflanzenarten, die so selten sind, dass sie auf der Roten Liste der bedrohten Arten sind.

Solch eine kleine Sensation ist der Wendich (Calepina irregularis), der gemäß der Rote Liste für Nordrhein-Westfalen mit "2", was "stark gefährdet" bedeutet, und in der Niederrheinischen Bucht sogar mit "nicht vorkommend, bzw. keine gesicherten Nachweis/etablierte Vorkommen bekannt" verzeichnet ist.

Ein anderes Beispiel ist das Hügel-Vergissmeinnicht (Myosotis ramosissima), welches auch auf der Roten Liste steht.

Es müssen aber nicht immer Rote Liste Arten sein, die uns in diesen kleinen ökologischen Nischen begeistern. Die Ehrenpreise, die im Frühling blau leuchten, die Vogelmiere, die mit frischem Grün und kleinen, weißen Blüten Insekten lockt, der Reiherschnabel, der im Frühling fast pink leuchtet und nicht zu vergessen der Löwenzahn, der mit knallgelben Blüten allerlei Käfer mit Nahrung versorgt, sind immer erwähnenswert. Bunte Malven runden den Hochsommer mit verschiedenen Arten ab und die blau blühende Wegwarte, schmückte noch im letzten Jahr zum Beispiel die Berliner Straße in Köln Mülheim. Da all diese Pflanzen für Nahrung für Insekten sorgen, die wiederum Vögel ernähren, sind sie unerlässlich.

An ausgewählten Baumscheiben gibt es eine Kooperation des BUND Köln mit dem Amt für Landschaftspflege und Grünflächen. Zugegeben, zeitweise ist nicht zuerkennen, was denn da geschützt wird, wo es doch zum Teil kahl und vertrocknet aussieht. So sei hier, wegen extremer Seltenheit, der Wendich als Beispiel hier erwähnt, bei dem die Pflegemaßnahmen dokumentiert sind.

Außerdem hat der BUND Köln, in Kooperation mit dem Umweltamt der Stadt Köln, Saatgut bereitgestellt. Dieses Saatgut verdrängt keine seltenen Pflanzen, ist regional, zertifiziert und alle Pflanzen dienen als Insektennahrung. Die meisten Pflanzen sind Hungerspeziallisten, brauchen also so gut wie keine Nährstoffe, geschweige denn Dünger. Diese Pflanzen kommen alle natürlich in der Niederrheinischen Bucht vor. Generell schauen wir immer erst was schon da ist und entscheiden dann, ob und was vielleicht nachgesät werden sollte. Auf den Baumscheiben mit Wendich und Vergissmeinnicht ist jedoch kein Bedarf an weiterem Saatgut.

Der BUND hofft das viele Kölner Bürger*innen sich ebenfalls an den wertvollen, heimischen Pflanzen erfreuen, die sich auf die kleinen Baumscheiben geflüchtet haben, da es in der dicht besiedelten Stadt nur noch ganz wenige BUNDte Inseln gibt.

Hier noch einmal der Text zu Baumscheiben (PDF).

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