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BUND-Kreisgruppe Köln

Pflegeansatz und Maßnahmen auf dem jüdischen Friedhof

Seit mittlerweile 20 Jahren wird der Friedhof vom städtischen Gärtner Erich Reichart betreut. Sein Pflegekonzept hat grundsätzlich das Ziel, eine hohe Artenvielfalt nachhaltig zu sichern. Darum werden Pflanzen nur zur passenden Jahreszeit geschnitten und die Flächen zeitlich versetzt bearbeitet. Damit haben die Pflanzen genug Zeit, ihre Samen und Pollen zu verbreiten, und die Tiere finden immer genügend Nahrung und Lebensräume vor.

Besonders wichtig ist dabei die passende Auswahl der Arbeitsgeräte. Im Gegensatz zu konventionellen Arbeitsgeräten, zum Beispiel dem Freischneider, kommen auf diesem Friedhof traditionelle Geräte wie Sense und Sichel zum Einsatz. Sie sind filigraner und für die dichten, oft unebenen Grabfelder besser geeignet. Mit der vorsichtigen und selektiven Methode können seltene Pflanzen vom Mähen ausgenommen und so gefördert werden. Um dem Boden möglichst viele Nährstoffe zu entziehen, wird das Schnittgut entfernt. Nährstoffarmer Boden erleichtert die Pflege der Flächen und ermöglicht das Wachstum seltener Pflanzen, die auf diese Bedingungen angewiesen sind.

Seit vielen Jahren unterstützen die Helfer des BUND Köln ein Mal wöchentlich Erich bei seinen Pflegetätigkeiten. Die meist jungen Schulabgänger und Studenten können mit seiner Anleitung diese außergewöhnliche Grünpflegemethode sowie die Tier- und Pflanzenwelt des Friedhofs praktisch kennenlernen. Beim Einsatz am jüdischen Friedhof werden für die ehrenamtlichen Gärtner auch rund 300 Jahre der Kölner Stadtgeschichte wieder lebendig.

Adresse: Judenkirchhofsweg, 50679 Köln-Deutz

Tiere und Pflanzen auf dem jüdischen Friedhof

Bäume und Sträucher

Auf dem Gelände wachsen über 40 Baum- und Straucharten. Viele der Gehölze wurden gezielt angepflanzt. Der Eingriffelige Weißdorn (Crataegus monogyna) säumt als Hecke nahezu die gesamten Seiten des Friedhofs. Da der Weißdorn von Herbst bis Frühling keine Blätter trägt, können sich Spätblüher besonders gut um die Hecke herum ausbreiten. Hinter diesem Pflanzenzaun gehen die Besucher auf eine Lindenallee zu. Birken und Eiben wachsen verstreut über den Friedhof.

Farn- und Blütenpflanzen

Auf dem Friedhof wachsen 173 verschiedene Farn- und Blütenpflanzen. Neben bekannten Vertretern wie dem Spitzwegerich kommen auch verschiedene besonders geschützte und gefährdete Arten vor, wie die kleine Traubenhyazinthe und die Heidenelke. Viele der Kulturpflanzen wurden gezielt angepflanzt. Die Pflanzengesellschaft wird heute aber auch durch die angrenzenden Kleingärten beeinflusst.

Insekten

Leider sind selbst die einst so häufigen Insekten in unseren naturfernen Städten und Landschaften selten geworden. Die Pflanzen- und Strukturvielfalt des Friedhofes bietet jedoch Lebensraum für viele bedrängte Arten, darunter Kamelhalsfliegen und Prachtkäfer. Einige Hummel-, Bienen- und Wespenarten leben in einem Insektenhotel.

Schachbrettfalter, Resedaweißling und Schwalbenschwanz sind nur drei der über 35 Schmetterlingsarten, die man auf dem Friedhof beobachten kann. Schmetterlingsraupen sind sehr anspruchsvoll bezüglich der Anforderungen an Lebensraum und Nahrung. Sie sind oft auf eine einzige Pflanzenart spezialisiert, ein Schrumpfen dieser Vegetation bedroht daher unmittelbar die Schmetterlingsart.

Singvögel und Greifvögel

Mit über 30 Vogelarten, von denen viele auch auf dem Gelände brüten, ist der Friedhof ein wahres Vogelparadies. Es wurden unter anderem Schwanzmeisen, Kernbeißer und Sommergoldhähnchen gesichtet. Sie brüten nicht nur in den 23 lokalen Nistkästen, sondern auch in Baumhöhlen oder versteckt auf dem Boden. Mitunter kann auch mal ein Gartenschläfer einen Kasten als Winterquartier nutzen.

Das Highlight der Greifvogelarten auf dem Friedhof ist der Uhu (Bubo bubo), der mehrmals gesichtet wurde. Daneben überfliegen fast täglich mehrere Mäusebussarde das Gebiet. Sie jagen zwischen den Gräbern bevorzugt Kleinsäuger oder auch andere Vögel. Der Greifvogel selbst wird wiederum von Rabenkrähen und Elstern attackiert. Zu den Besuchern gehören außerdem der Sperber und der Habicht.

Säugetiere

Stets sind auf diesem Friedhof die typischen Bewohner der hiesigen Wald- und Wiesenflächen wie Fuchs, Kaninchen, Eichhörnchen und Igel anzutreffen. Auch weniger bekannte Tiere wie das Mauswiesel und die Spitzmaus scheinen sich hier wohlzufühlen. Eine Besonderheit bildet das Vorkommen des Gartenschläfers. Die Niederrheinebene ist das nordwestlichste Verbreitungsgebiet des kleinen Nagers in Europa.

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