Bildergalerie zur Alternativ-Konferenz (Sonntag, 12.09.2004)

copyright 2004 by Bettina Lindner

 

Bernd Nilles von MISEREOR eröffnet die Alternativ-Konferenz



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5.0 M

Bärbel Höhn spricht ein Grußwort

NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) bedankt sich für die Möglichkeit, bei der Konferenz Gast zu sein. Sie distanziert sich von der Haltung des NRW-Wirtschaftsministers Harald Schartau (SPD), der die Gentechnologie als Zukunftsbranche für das Bundesland Nordrhein-Westfalen nutzen will. Höhn spricht den Veranstaltern der Konferenz ihre Solidarität aus und unterstreicht vehement: "Gentech hat keine Chance!"



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Buhrufe für die Grüne Ministerin

Höhn war durchaus nicht bei allen Teilnehmern und Besuchern der Konferenz ein willkommener Gast: Ein Vertreter der Landwirte-Initiative "Netzwerk gentechnikfreies Oberberg" kritisiert, die Politikerin missbrauche die Veranstaltung zu Wahlkampfzwecken. Er sah in Ihrem Grußwort ein heuchlerisches und inkonsequentes Verhalten, denn schließlich gehöre sie einer Landesregierung an, die Gen-Tech fördere und begrüße.



Afsar H. Jafri berichtet von Aktivitäten der Gen-und Bio-Tech-Firmen in Indien

Der indische Wissenschaftler Afsar H. Jafri arbeitet zusammen mit der Ökologin, Bürgerrechtlerin und Feministin Vandana Shiva bei der Organisation Navdanya/Foundation for Science, Technology and Ecology. Er berichtet, wie die Pestizide von Monsanto zunächst schwere Umweltschäden in Indien anrichteten und z.B. das Grundwasser verseuchten, das die Bevölkerung dann über Getränke wie Pepsi- und Coca-Cola aufnahm.

Er erläutert, warum die ländlichen Regionen seit Jahren von einer Welle von Selbstmorden unter den Bauern überschwemmt wird. Die Menschen leiden unter hohen Schulden, Armut und Hunger. Die Pestizide der großen Bio-Tech-Firmen haben nicht geholfen: Die Schädlinge wurden resistent, die Saaten wurden dadurch vernichtet.

Der Wissenschaftler widerlegt außerdem die Argumente, mit der die Firma Syngenta ihren "Golden Rice" anpreist: Diese gen-manipulierte Sorte soll sich durch einen hohen Vitamin-A-Gehalt auszeichnen und daher für die Ernährung der Menschen in "Entwicklungsländern" ideal sein. Doch sowohl die Wirkung an sich, als auch der tatsächliche Nutzen dieses Reis' lassen sich nicht beweisen.

Das Ziel von Navganya, der Organisation von Jafri und Shiva: Bis 2008 sollen fünf Prozent der Landwirtschaft in Indien auf organischen Anbau umgestellt sein.

 



Jafris Botschaft an die ABIC, die auf der anderen Seite des Rheins tagt:

Nach Jafris Vortrag gibt es Fragen aus dem Publikum:

Ein Vertreter des Berufsverbandes der Imker macht deutlich, dass gerade Bienen zeigen: Eine Koexistenz von genmanipulierten Pflanzen und konventionellem oder sogar Bio-Landbau ist unmöglich. Bienen kennen keinen Unterschied, wenn sie die Blüten anfliegen, und tragen Polen über Kilometer hinweg fort, genau wie der Wind.

Jafri bekräftigt diese Erläuterung und stimmt dem Imker darin zu, dass Honig nicht nur als Lebensmittel anzusehen ist, sondern auch als Medizin. Daher verdiene er besonders strengen Schutz. Gerade in Indien, wo Honig in der traditionellen Medizin eine große Rolle spielt, seien solche Regeln wichtig.

Es sei jedoch andererseits so, berichtet Jafri auf die Frage einer MISEREOR-Mitarbeiterin nach den politischen Rahmenbedingungen, dass die ausgesprochen strengen Schutzbestimmungen (Bio-Safety-Regelungen) Indiens in der Realität wenig Wirkung zeigten, da die Gen-Tech-Firmen und die Regierung häufig eng zusammmen arbeiteten.



Die Misereor-Mitarbeiterin fragt: "Wie läuft bei Euch in Indien der politische Kampf ab?"


Erika Feyerabend von BioSkop moderiert die Konferenz



Irene Fernandez aus Malaysia betont besonders die Nachteile der Gen-Saaten für die Frauen in Asien

Irene Fernandez ist Mitglied von Tenaganita, einer Frauenrechtsorganisation in Malaysia. In ihren Augen sind der Internationale Währungsfonds, die Weltbank und die WTO "terroristische Vereinigungen". Die "Green Revolution" war in ihren Augen stets nur für Leute gedacht, die Geld hatten. Den Kleinbauern wurde Land gestohlen; Frauen, die auf den Feldern arbeiten wurden durch Pestizide vergiftet und erlitten Fehlgeburten. In Malaysia hat man erfolgreich ein Verbot des Pestizids "Paraquat" der Firma Syngenta durchgesetzt.

Die besondere Situation der Frauen, angesichts des zunehmenden Einsatzes von genmanipuliertem Saatgut: Die Frauen in Asien sind traditionell diejenigen, die das Saatgut nach der Ernte kontrollieren, Saaten für das kommende Jahr aussuchen und bewahren. Dieses Wissen und die Kontrolle über das Saatgut und die Nahrung geht verloren, weil Firmen wie Syngenta und Monsanto mit ihren Produkten auf den Markt drängen.

Irene Fernandez ist derzeit für die "People's Caravan for Food Sovereignty", die die Forderung nach Land und Nahrung ohne Gifte propagiert, in europäischen und anderen Ländern der Welt unterwegs.



Giovanni Tapang von den Philippinen kritisiert die Aktivitäten der Gen-Tech-Lobby, die den Hunger nicht bekämpfen, wie sie es vorgeben.

Der philippinische Wissenschaftler Giovanni Tapang von der Organisation Agham betont: Natürlich haben wir ein großes Hunger-Problem in den "Entwicklungsländern". Aber dieses Problem lässt sich nicht mit Gentechnik bekämpfen. "Es sind Monokapitalismus und Neoliberalismus, die für den Hunger in der Welt verantwortlich sind!"



Auch die österreichischen Bauern melden sich zu Wort.

Dieser Bio-Bauer aus Österreich engagiert sich für die Bewegung "Pro Leben", eine Anti-Gentechnik-Plattform in Kärnten. Über die von Befürwortern der Gen-Tech-Landwirtschaft propagierten Schutzbarrieren gegen den Pollenflug, der Bio-Anbau-Felder kontaminiert, kann er nur lachen. Als man ihm verbieten wollte, Protestschilder entlang einer Straße aufzustellen, nahm er auch das mit Humor und entgegnete: "Das sind nur die Schutzbarrieren gegen den GM-Pollenflug!"



Gérard Choplin nennt zahlreiche Beispiele, die die Absurdidät der Genmanipulation verdeutlichen

Gérard Choplin ist Vertreter der europäischen Bauernorganisation Coordination Paysanne Européenne (CPE). Er erzählt von GM-Raps der kanadische Städte als Super-Unkraut überwuchert, weil er durch die Manipulation gegen ein Total-Herbizid resistent ist. Er beschreibt, wie Wissenschaftler Tomaten ein Gen aus dem Heilbutt einsetzten, um sie vor Frost zu schützen. "Ist das wirklich ein Fortschritt, wenn man die Evolution ignoriert, durch die sich aus Einzellern Pflanzen, Amphibien, Reptilien, Säugetiere, Fische entwickelt haben? Ist es nicht eher ein Rückschritt, alles wieder in einen Topf werfen zu wollen?"



Gérard Choplin aus Belgien ist sich sicher: "Es wird in der Natur wohl kaum vorkommen, dass Tomate und Fisch sich paaren und ihr Erbgut vermischen!"

Lokale und regionale Regierungen sind gefordert!

Choplin betonte weiter, vor allem die lokalen und regionalen Regierungen müssten in die Diskussion einbezogen und zur Verantwortung gezogen werden.

In diese Richtung ging auch der Beitrag von Ralf Bilke (BUND-NRW), der sich aus dem Publikum meldete: Er betonte, dass es in NRW für einen Stopp der Gen-Technik-Felder noch nicht zu spät sei, wenn es auch bereits Versuchsflächen gebe. Man müsse jedoch auf regionaler und kommunaler Ebene Verantwortungsbewusstsein entwickeln, z.B. gentechnikfreie Anbauzonen proklamieren. Auch die Kirche, genauer, die katholische Kirche sei hier gefragt, denn sie verfüge über große Flächen die sie gegen den Anbau von GM-Saatgut schützen müsse. Außerdem solle sie ihren enormen gesellschaftlichen Einfluss in zahlreichen ethischen Fragen auch im Bereich der Gentechnik, bzw. der Gen-Tech-Landwirtschaft, geltend machen.

 

In Deutschland haben sich rund elftausend Bauern zu gentechnikfreiem Anbau verpflichtet. Bereits jetzt gibt es ca. vierzig gentechnikfreie Anbauregionen.

Singend parodiert Regina Schwarz die leeren Versprechungen und realen Bedrohungen durch Monsanto und Co.



"Food, Health, Hope"? Regina Schwarz und Birgit von den Magic Street Voices sehen die Rolle von Monsanto ganz anders...

Lovemore Simwanda aus Sambia berichtet, wie sich Sambia gegen Gen-Food wehrte.

Der Vertreter der Zambia National Farmers' Union, Lovemore Simwanda, unterstreicht nochmals, was bereits Fernandez und Tapang geäußert hatten:

"Die Bio-Tech-Industrie und Genmanipulation richten sich nicht an unsere Hauptprobleme. Sie sind kein Mittel gegen Hunger und Armut; sie kompensieren nicht mangelndes Wissen im Umgang mit Technik."

Simwanda betrachtet das Verhalten der Industrieländer als imperialistisch, den afrikanischen Nationen Technik und die westliche Lebensweise aufzudrängen, ohne auf traditionelle Arbeitstechniken und z.B. Ernährungsgewohnheiten zu achten.

In Sambia hat die Regierung Spenden genmanipulierter Nahrungsmittel zurückgewiesen. Dies ist allein auf den Druck gesellschaftlicher Bewegungen hin erlassen worden. Dies geschah, obwohl das Land unter Hunger leidet. Die Angst vor den möglichen und unabsehbaren Folgen von Gen-Food setzte sich durch, und das Welt-Ernährungs-Programm sah sich gezwungen, Nicht-GM-Lebensmittel zu beschaffen.



Den Abschluss machte Christoph Then mit einem grundlegenden Vortrag über die Gefahren der Gentechnik

Wissenschaftlich fundiert und doch anschaulich erläuterte Christoph Then(Greenpeace) die grundsätzlichen Gefahren der Genmanipulation und belegte, dass die Kritikpunkte und Unsicherheiten, die am Anfang der Forschungen vor über 20 Jahren standen, auch heute noch brandaktuell sind.

Genmanipulation ist unkontrollierbar, unvorhersehbar und unumkehrbar!

Then fordert dringend eine bewusste Risikodiskussion, wie sie in der Humangenetik längst geführt wird, während Pflanzen-Genetiker alle Risiken zu ignorieren scheinen.



Christoph Then erläutert die "Genübertragung im Schrot-Schuss-Verfahren"


Aufstellen zum Familienbild ...

Nach der Konferenz begaben sich zahlreiche Teilnehmer noch "über den Rhein", um an der "Öffentlichen Diskussion" mit vertretern der Gen-Tech-Lobby auf der Messe ABIC teilnzunehmen.

Die meisten von ihnen hatten Pech: Mit der Begründung, sie seien zu spät, erhielten sie zu der öffentlichen Veranstaltung keinen Zutritt...



vorne, v.l.n.r.: Tapang; Fernandez;Simwanda; Jafri